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Geng Shiqi

Vorname
Shiqi
Nachname
Geng
erfasst als
Komponist:in
Interpret:in
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1995
Geburtsland
China, Volksrepublik
Shiqi Geng

Shiqi Geng © Fotostudio Meister (2018)

"Shiqi Geng, geboren im Juli 1995, in Baoding (Hebei Provinz, China). Seit seiner 8. Lebensjahr begann Klavierunterricht, und 11. Lebensjahr Unterricht für Musiktheorie sowie Harmonielehr. Er hat seit seinem 12. Lebensjahr angefangen zu komponieren.

2010 bis 2011 Komposition am Gymnasium des Central Conservatory of Music in Peking. 2011 bis Anfang 2013 war er freischaffender Klavierbegleiter für Studenten.

Vom 2013 bis 2014 Vorbereitungstudium, im Jahr 2014 begann er das Kompositionsstudium an der Kunstuniversität Graz.

Im Jahr 2018 den Bachelorstudium mit Auszeichnung abgeschloßen, und studiert er jetzt im Masterstudium an der Kunstuniversität Graz bei Prof. Gerd Kühr und Prof. Beat Furrer.

Er hat einige Kompositionspreis gewonnen von verschiedene Wettbewerbe. Seine Werke sind in mehrere Länden aus Europa und Asien wie Östereich, Deutschland, Japan etc. aufgeführt, sowie im Lange Nacht der Bühne (Linz), Forum Alpbach, Weimarer Frühjahrestage für zeitgenössische Musik, Composium (Tokio), Festival Arsonore (Graz) etc., sowie mit Ensemble offspring (Australia), Bruckner Orchester Linz, Schallfeldensemble (Graz) und Jenaer Philharmonie, Philharmonieorchester Tokio, Ensemble Szene Instrumental (Graz) etc.. Er hat auch ein Auftrag von Musikverein Graz für ein Konzert der Menschenrechte im Dezember 2017.  Er wurde mit dem 1. Preis vom Toru Takemitsu-Wettbewerb 2019 (Japan) ausgezeichnet.

Er erhält im 2018 Sonderstipendium der Stadt Graz, und im 2019 der Musikförderungspreis der Stadt Graz."
Shiqi Geng (2023): Lebenslauf, abgerufen am 15.2.2023 [https://shiqigeng.wordpress.com/136-2/]

Stilbeschreibung

"Diese Erfahrungen* (*erste Musikausbildung mit westlichen klassischen Repertoire beschäftigt) bilden bis heute den unbewussten Hintergrund für mein Komponieren: die Wichtigkeit der klassischen Form und die gleichsam „logische“ Entwicklung musikalischer Materialien und Gedanken. Diese Denkweise entspricht dem Prinzip der Sonatenform sowie Dreiteilige Form (siehe 2. Kapitel). Obwohl ich jetzt in einer „zeitgenössischen“ Sprache komponiere und viele moderne Techniken benutze, sind die formalen Strukturen und vor allem die ästhetischen Konzepte, die darin zum Ausdruck kommen, eher noch dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert verhaftet. Obwohl die „Logizität“ des musikalischen Verlaufs an der „klassischen“ Denkweise sich orientieren, bin ich aber in meiner Musik meistens recht weit entfernt vom klassischen Sinn für musikalischen Aufbau und Strukturierung und suche vielmehr immer meinen eigenen Weg.
Die Grundlage meiner ästhetischen Intentionen ist nicht nur ein Experimentieren mit neuen Ideen und Techniken oder auf der anderen Seite ein intuitives Ausdrücken von Emotionen, sondern der Wert des Kunstwerks sowie die ästhetische und quasi-logische Einheitlichkeit der Formstruktur. Jeglicher Ausdruck von Emotionen und Gefühlen oder Experimente mit neuen Ideen in meiner Musik finden vor diesem ästhetischen Hintergrund statt.
(„Kunstwerk“ ist nicht „Handwerk“. Der „Wert von Kunst“ bzw. der „Wert des Kunstwerks“ bedeutet für mich eine sinnlich wahrnehmbare Sprache mit Respekt vor der natürlichen Ordnung und mit Ehrlichkeit zum eigenen Herzen. Ich denke, diese ästhetische Haltung entspricht auch der Anschauung der Klassik mit ihrem „quasi-logischen“ Formaufbau.)
[...]
Wenn ich jetzt die Komponisten, die für meine kompositorische Entwicklung wichtig sind, Revue passieren lasse: Rachmaninow – Ravel – Takemitsu, stelle ich fest, daß es zwischen ihnen Ähnlichkeiten gibt: alle drei entsprechen nicht dem fortgeschrittensten Stand der kompositorischen Sprache und Technik ihrer Zeit, sondern bleiben meistens, auch in ihrer Persönlichkeit und Haltung eher konservativ. Und allen drei Komponisten sind meistens die Werte der Klang- und harmonischen Sinnlichkeit wichtiger als der Werte der strukturellen und formalen Erfindung, Erneuerung oder Revolution. Das entspricht auch meiner Persönlichkeit und Haltung, nicht nur in der Musik sondern auch in meinem privaten Leben.
[...]
In meinen Kompositionen beschreibe ich nicht einfach Erinnerungen und Schmerzen* (*entstanden aufgrund der gesellschaftliche und politische Situation meiner Heimat) „programmusikalisch“, sondern suche stets nach einer tieferen Logik hinter diesen Dingen und entwickle rationale Konzepte für mein Komponieren.(...) Die philosophische und ästhetische Richtung meiner Lebensanschauung sowohl im Privatleben als auch im Kunstschaffen ist mir aber seit meiner Kindheit schon sehr klar: der Humanismus in einem natürlichen und traditionellen Sinn. Sowohl in meinem Privatleben als auch im Kunstschaffen suche ich immer Stabilität und natürliche Ordnungen.
[...]
Und nun zum Schluß dieser Beschreibung möchte ich noch einige Sätze zu meiner Stilbeschreibung ergänzen:
- Schon seit meiner Kindheit stehe ich ganz fest, dass Komponieren für mich nicht nur Materialien aufzubauen oder physikalisches Phänomen zu erforschen, sondern die Klänge aus meiner Seele einfach nachzuspüren und auf dem Papier hinzuschreiben ist.
-   Das   einzige   Kriterium   des   Komponierens   lautet   für   mich:   ob   ich   eine   tiefe Ehrlichkeit zu meinem eigenen Herz habe; ob alle Klänge bzw. Materialien die ich verwende, die von mir selber wirklich überzeugt sind und ob ich wirklich mit meiner
Musik zufrieden sein werde. Musik ist für mich mehr in der Richtung zur Spiritualität als in der Richtung zum Spaß oder zur Wissenschaft.
- Marc Chagall (wir sind beide Sternzeichen Krebs) ist das zentrale Vorbild für meine ästhetische Intention (nämlich an Liebe, metaphysischen Schönheit, Nostalgie der Kindheit,   Innigkeit,   Zärtlichkeit,   etc.)   sowohl   im   privaten   Leben   auch   im Kunstschaffen."
Shiqi Geng (2022): aus "Mono-no Aware (物の哀れ) der Zeit und Erinnerung in meinem Kompositionen" 

"Aufgrund der Erfahrung seit seiner Kindheit (in Bezug auf den politischen und gesellschaftlichen Umständen in seiner Heimat) und auch wegen seiner angeborenen Sensibilität, Sentimentalität und Seriosität, ist seine innere ästhetische Haltung unbewusst noch ein wenig in der Romantik sowie Klassizität verortet. Wichtige Inspirationsquellen für seine Werke sind Themen wie etwa "Zeit(fluss)", "Erinnerung", "Vergangenheit", "Kindheit", "Nostalgie", "Liebe(skummer)", etc. Seine ästhetische Intention ist von Marc Chagall, Marcel Proust, Andrei Tarkowski und Toru Takemitsu stark beeinflusst."
Shiqi Geng (2023): Programmheft für Abschlußkonzert Ink Still Wet 2023.

Auszeichnungen

2016 International Composition Contest Antonio Vivaldi Orchestra (Italien): 1. Preis (Roter Pavillon in meinem Traum II -“Fuyou Rui“)
2016 Concours de composition pédagogique, Boulogne-Billancourt (Frankreich): 1. Preis (Les Gouttes d’Encre dans la Neige)
2016 Gesellschaft der Freunde der Kunstuniversität Graz: Förderstipendium
2017 Princess Galyani Vadhana Institute of Music Youth Orchestra, Bangkok (Thailand): Preis (Flower Petals flowing far away -“Roter Pavillon in meinem Traum III”)
2018 Stadt Graz: Sonderstipendium
2018 Gesellschaft der Freunde der Kunstuniversität Graz: Förderstipendium
2019 Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik (Deutschland): 2. Preis (Meditation im Frühling)
2019 Toru Takemitsu-Wettbewerb (Japan): 1. Preis (Resonanz vom Horizont)
2019 Stadt Graz: Musikförderungspreis
2023 Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport: Staatsstipendium für Komposition

Ausbildung

2010–2011 Mittelschule des Central Conservatory of Music of China: Komposition
2013–2014 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Vorbereitung Komposition (Beat Furrer)
2014–2018 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Komposition - Bachelor mit Auszeichnung (Gerd Kühr und Beat Furrer)
2018–2022 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Komposition - Master mit Auszeichnung (Gerd Kühr und Beat Furrer)
2022 Composer-Conductor-Workshop - Ink Still Wet: Teilnehmer (Georg Friedrich Haas)

Aufträge (Auswahl)

2017 Musikverein Graz: Am duftenden Pfad im kleinen Garten
2019 Career Service Centers der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Vogelgeflüster in der Morgenröte am Frühlingsbeginn
2019 Ryoko Aoki: Herbstliches "Notturno"
2020 szene instrumental: Streichquartett Nr. 2 - Les Mensonges, Windspuren im Übergang der Zeit
2020 Ensemble Zeitfluss: Wie einer Berceuse
2021 Mari Adachi, Arts Council Tokio und Soziale & Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana – SKE Fonds: Sonate Nr. 1 für Solo Bratsche
2021 KUG – Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Visionen im Herz
2023 ÖGZM – Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik: Wie ein Lied ohne Worte

Aufführungen (Auswahl)

2015 Lorenzo Derrini (Violine), Graz: Frühsommer-Idyll (UA)
2015 Ensemble Offspring - 8. Shanghai New Music Week (China): Frühlingsregen in einem Teich mit Lotosblumen (UA)
2016 Shiqi Geng (Klavier) - Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Suite de l’Iris (UA)
2016 EOS vom Central Conservatory of Music in China, Yang Jiao (Dirigent) - Beijing Modern Music Festival (China): Choninaru (UA)
2016 Hans Ljuben Richard (Viola), Marion Hamonou (Harfe) - Concours de composition pédagogique, Boulogne-Billancourt (Frankreich): Les Gouttes d’Encre dans la Neige (UA)
2017 Orchester der Kunstuniversität Graz, Ingo Ingensand (Dirigent) - Konzert der Menschenrechte, Graz: Am duftenden Pfad im kleinen Garten (UA)
2017 Princess Galyani Vadhana Youth Orchestra, Peter Veale (Leitung) - Preisträgerkonzert Princess Galyani Vadhana Institute of Music Youth Orchestra, Bangkok (Thailand): Flower Petals flowing far away -“Roter Pavillon in meinem Traum III” (UA)
2017 Manaho Shimokawa (Choreographie, Tänzerin), Studierende der PPCM der Kunstuniversität Graz, Jooan Mun (Dirigent) - Konzert des Tanzprojektes Invisible Drive, Graz: Yuki-Onna (UA)
2018 Bruckner Orchester Linz, Markus Poschner (Dirigent) - Anhörung - öffentliche Probe, Linz: Veränderungen des schwankenden Schimmers (UA)
2018 Nezka Prosenjak (Perkussion), Alessandro Petri (Perkussion), David Kendler (Perkussion), Shu-Jun Zhao (Dirigentin), KUG-Sinfonisches Blasorchester, Graz: Flimmern des Regentropfens II (UA)
2018 Schallfeld Ensemble, Graz: Schneeflüstern Version 2 (UA)
2019 Jörg Brückner (Horn), Markus Frank (Leitung), Jenar Philharmonie - Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik (Deutschland): Meditation im Frühling (UA)
2019 Philharmonieorchester Tokio, Kanako Abe (Leitung), Tokyo (Japan): Resonanz vom Horizont (UA)
2019 szene instrumental, Wolfgang Hattinger (Leitung), Graz: Schneeflüstern Version 3 (UA)
2021 Ryoko Aoki (Noh-Stimme), Mari Adachi (Viola), Tokio (Japan): Herbstliches "Notturno" (UA)
2021 Wolfgang Hattinger (Leitung), szene instrumental - Shiqi Geng - A Portrait, Graz: Flimmern der Regentropfen I (UA), Streichquartett Nr. 2 - Les Mensonges (UA), In den Farben der Wasserillusion (UA), Windspuren im Übergang der Zeit (UA)
2022 Orchester der Kunstuniversität Graz, Claire Levacher (Leitung) - Abo-Konzert "Drei Jahrhundert Liebe" von KUG: Visionen im Herz (UA)
2022 Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester, Shiqi Geng (Leitung) - Abschlußkonzert Ink Still Wet: Schneeflüstern (Version 2022 für Orchester) (UA)
2022 Mari Adachi (Viola) - Mari Adachi presents Toru Takemitsu x Shiqi Geng - Tokio (Japan): Sonate Nr. 1 für Solo Bratsche (UA), Sonate Nr. 2 für Solo Bratsche (UA)
2023 Ensemble Zeitfluss, Edo Micic (Leitung) - Minoritensaal Graz: Musik für Kammerorchester (UA)
2024 Ensemble Zeitfluss, Edo Micic (Leitung) - FESTKONZERTE 75 Jahre ÖGZM – Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik, Wien: Wie ein Lied ohne Worte (UA)

Pressestimmen

9. April 2018
"Ungemein präzise hat der chinesische und in Graz Studierende Komponist Shiqi Geng seine zerbrechlichen Klänge in "Veränderungen des schwankenden Schimmers" inszeniert und eine Klangflächenkomposition geschaffen, in der kleine unter der Oberfläche schwirrende Elemente pulsieren und so sensibel die Klanggruppen in einen Dialog versetzen."
OÖNachrichten: Aus Kopfgeburten wurde Musik (Michael Wruss), abgerufen am 23.12.2021 [https://www.nachrichten.at/kultur/Aus-Kopfgeburten-wurde-Musik;art16,2863152]

Literatur

2019 Peng Zhang: Memories of Graz: solo piano works of Shiqi Geng, Doctor of Musical Arts (DMA), University of Iowa [https://iro.uiowa.edu/esploro/outputs/doctoral/Memories-of-Graz-solo-piano-works/9983779697602771#details]
2024 FESTKONZERTE 75 Jahre ÖGZM. In: mica-Musikmagazin.

Quellen/Links

Webseite: Shiqi Geng
Ulysses Network: Shiqi Geng
Soundcloud: Shiqi Geng
YouTube: Shiqi Geng
IMSLP: Compositions by: Geng, Shiqi

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 24. 4. 2024): Biografie Shiqi Geng. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db20.musicaustria.at/node/204045 (Abrufdatum: 25. 6. 2024).

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